Realitätsverweigerung


in Deutschlands entarteter Demokratie (Ochlokratie)

Das Anliegen des Grundgesetzes von 1948/49 war es, die Herrschaft einer Partei unter einer Clique nicht mehr kontrollierbarer Parvenüs zu verhindern.
Bedurfte es noch eines Ermächtigungsgesetzes um Hitlers Entscheidungsmacht vom hochgradig politisierten Volkswillen abzukoppeln, koppelt sich heute das Volk durch das Verschwinden politisch denkender Menschen von der regierenden Parteienclique ab.
Das untergräbt nicht nur die Autorität der Regierung, sondern ermöglich ihr auch das Verschleppen von für den Staat überlebenswichtigen Entscheidungen.

Entscheidungen die noch getroffen werden, betreffen das privilegierte Überleben der Bundestagsabgeordneten selbst.
Seit kurzem haben sie Anspruch auf eine vergleichsweise üppige Altersversorgung - überstehen sie nur eine Legislaturperiode.
Verharren zahlt sich also aus - Bewegen birgt Risiken.
Öffentliche Wirklichkeitsverweigerung minimiert das Risiko der Erschütterung der Zentralregierung.

Das Regierungsmotto lautet also:

Augen zu und bis zum Ende durchhalten - mag doch neues Personal das Pech haben, mitten in der Legislaturperiode von der Realität aus der Abgeordneten-Seligkeit gerissen zu werden.
Die Regierung zeichnet sich also durch einen sehr hohen Realitätssinn aus – sie weiß genau was sie nicht tut.
Der Reformstau bei Steuersystem, Sozialversicherungen, Arbeitsmarkt und Bildungssystem wird willig hingenommen, die Lähmung als Entspannungsübung zelebriert.

Um die Deutschen an die Demokratie zu gewöhnen, hat man ihre Zustimmung stets durch materielle Zuwendungen (Bestechung) erkauft.
Das ist nun seit einem halben Jahrhundert so und es gibt kaum noch Menschen, die sich an anderes erinnern können.
Anfangs hat man das Demokratiebakschisch noch selbst erwirtschaftet, wenig später hat man es schon gestohlen – bei der nächsten Generation in Form von Staatsschulden.
Woran die DDR zugrunde gegangen ist, wird durch die Sozialdemokratie BRD, die im Gegensatz zur kollabierten DDR auf eine vergleichsweise intakte Wirtschaft bauen kann, etwas länger durchgehalten.
Die Haltung. dass der Staat wie ein Vater für einen sorge, war den Deutschen schon im Kaiserreich zur Natur geworden, im Sozialnationalismus von heute fordert man nach wie vor Versorgung, nur ist es mit der Autorität des Vaters Staat nicht mehr weit her.

Jeder Versuch, im Bekanntenkreis das Auseinanderfliegen des Staates durch die Zentrifugalkräfte des Umverteilungskarussells zu diskutieren, wird sofort mit dem Satz gekontert, das sei doch nirgends in Europa anders.

Hierin besteht aber gerade der entscheidende Unterschied zu den anderen europäischen Staaten:

Die deutsche Vorstellung, der Staat sei für den Ausgleich sämtlicher Lebensrisiken verantwortlich, ist Ausdruck fehlenden Realitätssinns und damit ein spezifisch deutsches Mentalitätsproblem.
Dieser Mangel an Empathie, also die Unfähigkeit, sich in andere Lebenswelten als die eigene hineinversetzen zu können, durchzieht die deutsche Geschichte seit der Reichsgründung 1871.
Das wilhelminische Motto „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ beschreibt diese Haltung.
Der Einfall der B-Sortierung westdeutscher "Eliten" in Ostdeutschland nach 1990, hat den Ausdruck Besserwessi hervorgebracht, der das gleiche Phänomen beschreibt:
Am westdeutschen Wesen sollte der Osten genesen.
Das Ergebnis ist, dass ein geschwächter aber genesungswilliger Patient nun an subventionitischer Adipositas, d.h. an typischen Unterschichtbeschwerden einzugehen droht.

Auch die Europabegeisterung der Deutschen liegt dem Trugschluss zugrunde, dass es mit der europäischen Einigung dann überall so toll würde wie in Deutschland, wenn überall die Standards des Sozialfalls Deutschland gelten würden.
Die kulturindifferenten Deutschen gehen ebenfalls davon aus, dass jeder ein normaler Mensch sei – also so sei wie sie selbst, quasi nur ein bunter Deutscher mit dem leicht auszukommen sei, wenn man mal tolerant über die Herkunft hinwegsähe.

Die Deutschen sind aber nicht normal.

Keine andere Nation hat in den letzten 100 Jahren so katastrophale Staatszusammenbrüche hingelegt wie die Deutschen.
Keine andere Nation hat in einer einzigen Lebensspanne derart viele Staaten mit Ewigkeitsgarantie mit den Händen errichtet und dem Hintern wieder eingerissen.
Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den national-sozialistischen Arbeiterparteistaat bis zum sozialistischen Arbeiterparteistaat DDR sind alle untergegangen:

Meine Oma (1910 – 2003) war viermal Zeuge:

    Als Kind hat sie dem Kaiser in Potsdam ein Geburtstagsständchen gesungen – der hatte die Gnade der Macht von Gott.
  • Bis 1918.

    Als Gott ihn fallen ließ, übernahmen die weltlichen Parteien die Macht, die hatten sie vom Volke.

  • Bis 1933.

    Das Volk konnte sich über den Gebrauch der Macht nicht einigen und hat sie einem Österreicher für tausend Jahre überlassen.
    Der interpretierte das als Wink des Schicksals und nannte es Vorsehung, dass Österreich Preußen einmal unter diesen Umständen erledigen könnte und dafür nur 12 statt 1000 Jahre brauchte.

  • Bis 1945

    Meine Oma hat dann irgendwie die Kurve nicht bekommen und ist von den Kommunisten eingemauert worden und zwar für die Ewigkeit, denn der Kommunismus als höchste und letzte Form der gesellschaftlichen Entwicklung war das Ende der Geschichte.

  • Bis 1989
Die Segnungen der deutschen Sozial-Demokratie, als allerletzte und Schulden gewordene Heilsgesellschaft, haben meine Oma dann irgendwie nicht mehr interessiert.
Sie hat es vorgezogen, sich dem Verschwinden dieses Staates durch Ableben zu entziehen.
Meine Oma war eine Deutsche mit Realitätssinn. Jetzt gibt es wieder eine weniger.

Ein Staat in Zentraleuropa, dessen Bevölkerung selbst durch mehrfachen Staatsbankrott, bedingungsloser Kapitulation gegenüber fremden Mächten, Zerstörung der Infrastruktur, Gebietsverlust, Zusammenbruch des Währungssystems und der Wirtschaft wie zuletzt in der untergegangenen DDR nicht fähig ist, seine nationale Situation kritisch zu analysieren und sachgerecht zu handeln, ist auch unfähig, seine Stellung im internationalen Zusammenhang richtig einzuordnen. So ein Partner in Europa birgt große Risiken. Das erkennen auch unsere Nachbarn und bleiben misstrauisch..

Menschen, welche das Siechtum und Ende der DDR aus unmittelbarem Erleben kennen, wissen wie sich die Realitätsverweigerung der sogenannten politischen Eliten auswirkt:

  • Mehr Überwachung, mehr Repression,
  • zunehmende Versuche in die Familien einzudringen um ihre Bindungskräfte zu zerstören (divide et impera),
  • forcierte Frauenerwerbstätigkeits-, Krippen- und Hortkampagnen,
  • stärkere Medienkontrolle, Desinformation,
  • schleichende Enteignung,
  • Sozialtransfers plus Unterschichtfernsehen = Brot und Spiele - Inszenierungen wie im alten Rom,
  • im Ganzen eine zunehmend illiberal -totalitäre Haltung gegenüber der Bevölkerung.
Aus Angst das Volk herauszufordern und die fragile Machtkonstellation der großen Koalition zu gefährden wagt man es nicht, die Menschen aufzufordern ihre Probleme selbst zu lösen. Es wird der Eindruck vermittelt, man hätte die Gestaltungsmacht, die Strukturprobleme und das Demographiedesaster zu beherrschen.
Das Volk will auch gar nichts anderes hören, man ist sich einig in der Verweigerung der Realität. Nach diesem Muster wird nun seit einem halben Jahrhundert Politik betrieben, was die Illusion nährt, auf dieser Kulturstufe wäre ein Rückfall in die Barbarei unmöglich, denn was bewiese es besser als die generationenwährende Stabilität dieses Systems?

Doch auch dieser Zeitraum wird sich im Fluss der Geschichte auflösen wie 40 Jahre DDR-Sozialismus, der heute schon weniger präsent ist als 12 Jahre National-Sozialismus.
Werden Gesellschaften dekadent und altersmorbide versagen irgendwann die Selbstheilungskräfte.
Das Ende der Hoffnung auf Vernunft markierten die Parteitage Ende 2007, auf denen man alle Ansätze zu sachgerechter Politik dem Opportunismus vor dem alternden Volkskörper opferte.

Die demographische Entwicklung hat faktisch das Zeitfenster für Veränderungen geschlossen.
Da jetzt alle noch mit Mühe gangbaren Wege versperrt sind, führt die Flucht nun über den Abgrund, da wir aber nicht fliegen können, müssen wir tief absteigen um ans andere Ufer zu kommen.
Viele werden abstürzen, viele verwundet werden aber überleben, doch wird nichts mehr sein wie vorher.

Im Land das wir betreten, werden wir auf uns selbst gestellt und frei sein
- wenn wir es schaffen, die sozialistische Hydra im Abgrund zurückzulassen.


Dieser Artikel erschien im April 2009 auch in der Internet- und Blog-Zeitung FREIE WELT
unter http://www.freiewelt.net/blog-299/realit%E4tsverweigerung-in-deutschlands-ochlokratie.html


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Februar 2008
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" Wer in der Herde läuft, muss Ärschen folgen. " Karl Kraus